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Strahlende Augen sind der schönste Lohn

„Strahlende Augen sind der schönste Lohn“

 

Von Kerstin Alex

Friesoythe. Der Achtjährige sitzt auf der Bettkante, lässt die Beine baumeln und strahlt über das ganze Gesicht, als sich die Tür öffnet. Mohammad Jun Karim, genannt „Juma“, hat schon gewartet und freut sich nun, dass er Besuch von Walter Hußmann, Waltraud Bullermann und Claudia Flerlage bekommt. Die vier verbindet ein inniges Verhältnis, denn die drei ehrenamtlichen Mitarbeiter beim Kinderhospizdienst der Malteser betreuen den Jungen aus Afghanistan, seitdem er im Friesoyther „MT-Friedensbett“ behandelt wird.

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In seiner Heimat war der Achtjährige angeschossen worden, wie die drei berichten. Oberflächlich sei die Wunde verheilt gewesen, aber es hatte sich eine eitrige Knochenentzündung am Unterschenkel und am Sprunggelenk gebildet, die in Afghanistan nicht behandelt werden konnte. Deshalb kam „Juma“ über das Friedensdorf Oberhausen in das Friesoyther St.-Marien-Hospital, wo noch am Tag vor der OP seine drei neuen Freunde kennenlernte. Und als er im Aufwachraum dann zu sich kam, saß Waltraud Bullermann bereits an seinem Bett und kümmerte sich gemeinsam mit dem Pfleger um ihn.

Als er das vertraute Gesicht sah, habe er sofort ein herrliches Strahlen im Gesicht gehabt, berichtet die ehrenamtliche Hospizhelferin. „Die Sprache ist da gar nicht so wichtig“ sagt sie, vielmehr zählten Fürsorge und Zuwendung. „Juma“ erholt sich inzwischen gut und freut sich jeden Tag auf seine Besucher. Sie würden zusammen spielen, auch fernsehen oder schon mal in Absprache mit den Pflegekräften einen kleinen Spaziergang unternehmen, erzählt Walter Hußmann. Bei den anderen Patienten sei der Achtjährige bereits bestens bekannt und bekomme jede Menge Süßigkeiten zugesteckt. Allerdings müssten sie auch darauf acht geben, dass die Kinder nicht über die Maßen verwöhnt werden.

„Wir dürfen keine Sehnsüchte wecken, so dass sie hier bleiben möchten“, betonen die ehrenamtlichen Hospizhelfer, sonst falle ihnen die Wiedereingewöhnung in der Heimat später zu schwer. „Juma“ ist das sechste Kind aus Krisengebieten in Afghanistan oder Afrika, das in Friesoythe behandelt wird. „Die Begegnung ist immer sehr schön“, und ihr Einsatz sei keineswegs einseitig. „Die strahlenden Augen sind unser schönster Lohn“, meint Claudia Flerlage und spricht damit für alle der insgesamt sieben „Kollegen“ aus dem Kinderhospizdienst, die sich ebenfalls für das „MT-Friedensbett“ engagieren. Alle ihre Schützlinge hätten auf ihre Weise Spuren bei ihnen hinterlassen – ob Gabriel als erstes Kind, der wegen einer Kieferfehlstellung zuvor noch nie feste Nahrung hatte zu sich nehmen können, Ferooza mit einer schweren Kriegsverletzung oder Jamba aus Angola mit seiner unerschütterlichen Lebensfreude. „Sie kommen alle aus Krisengebieten mit schweren, tiefgreifenden Erfahrungen, doch hier erfahren sie Ruhe und fassen schnell Vertrauen“, schildert Claudia Flerlage ihre Erfahrungen und fügt nachdenklich mit Blick auf „Juma“ hinzu: „Wenn man das überlegt, gerade einmal acht Jahre und schon so viel mitgemacht, so viele Schmerzen ausgehalten…“

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